Jonathan Bork im Physiklabor
© UDE/Janina Balzer

Mit 13 Jahren an die Uni

Vom Klassenzimmer ins Physiklabor

  • von Janina Balzer
  • 31.03.2025

Mit 13 Jahren schon im Hörsaal? Für Jonathan Bork (Video hier) kein Problem. Neben der Schule nimmt er am Frühstudium der UDE teil, schreibt Klausuren in Physik und untersucht Siliziumwafer. Im Interview erzählt er, wie er alles unter einen Hut bringt.   

Jonathan, du gehst in die 10. Klasse und besuchst die Uni – hast du nach mehr Herausforderung gesucht?
So kann man das sagen! Die Physik hat mich schon immer begeistert – Naturwissenschaften finde ich generell total spannend und davon wollte ich einfach mehr. Ich habe zufällig vom Frühstudium erfahren und dachte mir: Warum nicht? Also habe ich mich im Wintersemester 2024/2025 für eine Vorlesung angemeldet, ein Praktikum in einer Forschungsgruppe gemacht, und das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabeibleibe.

Was begeistert dich am Frühstudium?
Es ist eine toll, sein Wissen schon als Schüler in einem Fach zu vertiefen. Man bekommt Einblicke in das Uni-Leben, kann erste Erfahrungen sammeln und herausfinden, ob ein Studium in diesem Bereich wirklich das Richtige ist. Ich kann nur sagen: unbedingt ausprobieren!

Was machst du genau?
Ich besuche die Vorlesungen und Übungen zu Grundlagen der Physik, um mein Wissen zu erweitern. Parall dazu bin ich in der Arbeitsgruppe von Professor Martin Mittendorff. Dort geht es um Terahertz-Spektroskopie. Vereinfacht gesagt, geht es dabei um Strahlung, die zwischen dem Mikrowellen- und Infrarotbereich liegt. Wir nutzen sie, um mehr über Materialeigenschaften herauszufinden – zum Beispiel um zu sagen, wie gut ein Material Strahlung durchlässt oder reflektiert. Ich werde auch ein eigenes Projekt haben, in dem ich Siliziumwafer auf ihre reflexiven Fähigkeiten hin untersuche. Das sind ganz dünne Scheiben an hochreinem Silizium, die in der Halbleiterindustrie verwendet werden. Sie sind wichtig für die Herstellung von Mikrochips oder Solarzellen.

Wird die Schule da nicht langweilig?
Das Frühstudium und die Forschungsgruppe helfen mir tatsächlich auch in der Schule. Ich sehe alles noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel. Besonders in Mathe. In der Physik steckt ja viel Mathematik, und mein Verständnis dafür ist durch das Studium viel besser geworden.

Wie bekommst du das alles unter einen Hut – Schule und Studium?
Meine Schule stellt mich für das Frühstudium frei. Und der Arbeitsaufwand ist machbar – mit der richtigen Organisation klappt das ganz gut. Mir gefällt auch das System an der Uni: Es gibt eine klare Trennung zwischen Vorlesungen und Übungen, das erleichtert das Lernen enorm. Die erste Vorlesung war natürlich trotzdem aufregend.

Bleibt denn noch Zeit für Freizeit?
Uni ist für mich wie Hausaufgaben. Danach habe ich noch Zeit für anderes: Ich spiele gerne Minecraft, treffe mich mit Freunden oder besuche die Pferde im Stall meiner Eltern. Außerdem engagiere ich mich auch noch für hybride Bildungskonzepte – das ist ein Herzensprojekt von mir.

Was ist hybride Bildung?
Es geht darum, Präsenzunterricht mit flexiblen Selbstlernphasen zu kombinieren. So können Schülerinnen und Schüler je nach Bedarf von zu Hause aus oder in der Schule lernen. Das hilft dann besonders hochbegabten oder neurodivergenten Kindern mit zum Beispiel ADHS oder Autismus, deren Gehirn anders als der neurotypische Standard funktioniert. Und dazu spreche ich mit Politikerinnen und Politikern oder präsentiere das Konzept auf Bildungsfestivals. In einigen Bundesländern wird mein Konzept auch schon verwendet, zum Beispiel an Berufsschulen in NRW oder an Projektschulen zu hybrider Bildung in Berlin. Schleswig-Holstein versucht gerade, das Konzept in den Regelschulen umzusetzen.

Ich habe schon mit Bildungsexperten auf der ganzen Welt gesprochen, ich bin zum Beispiel in Kontakt mit dem OECD Bildungsdirektor – hybride Bildung ist hier eine sehr günstige und effektive Möglichkeit. Deshalb ist es wichtig, dass noch mehr Bundesländer diese Ansätze übernehmen und langfristig das Bildungssystem moderner und inklusiver wird.

Was sind deine Ziele?
Erstmal das Abitur machen. Danach will ich auf jeden Fall Physik studieren. Langfristig könnte ich mir vorstellen, in der Forschung zu bleiben. Außerdem ist mir mein Engagement für hybride Bildung wichtig. Ich möchte das Konzept weiterentwickeln und Schulen sowie Politik dazu bringen, flexiblere Lernmodelle zu ermöglichen. Es wäre großartig, wenn mehr Schülerinnen und Schüler individuell und selbstbestimmt lernen könnten – so wie es auch beim Frühstudium möglich ist.

Die Fragen stellte Janina Balzer.

Im Bild:
Jonathan Bork im Physiklabor

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