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Sprachminderheiten in der Institution Schule – Eine Institutional Ethnography am Beispiel der Gesamtschule von NRW  (IESprachminderheitenSchuleNRW)

Das Promotionsprojekt geht der Frage nach, wie Sprachminderheiten in einer Gesamtschule institutionell konstruiert und reguliert werden. Es basiert auf dem methodologischen Ansatz der Institutional Ethnography (IE) nach Dorothy Smith, der alltägliche Erfahrungen als Ergebnis institutioneller Ordnungsstrukturen offenlegt. Im Zentrum steht dabei die Analyse von den Erfahrungen Betroffener, die durch schulische Routinen, Verwaltungstexte und rechtliche Vorgaben durch die Institution generiert werden. Das Forschungsfeld bildet eine Gesamtschule, die exemplarisch für die sprachliche und soziale Diversität im nordrhein-westfälischen Bildungssystem steht. Über ein mehrphasiges, institutionell-ethnographisches Forschungsdesign werden unterschiedliche Mikro- und Makroebenen miteinander in Beziehung gesetzt. In der ersten Phase werden qualitative Interviews mit Schüler*innen und Eltern aus Sprachminderheiten geführt und mit teilnehmende Beobachtungen im Schulalltag ergänzt. Erweiternd findet eine systematische Analyse von institutionellen Texten statt – etwa Aufnahmeformulare, Förderdokumente oder interne Vorgaben –, die als Koordinierungsinstrumente im Schulalltag wirken. In der zweiten Phase richtet sich der Blick auf die institutionelle Makroebene. Durch Interviews mit schulischen Entscheidungsträger*innen, der Schulaufsicht sowie Vertreter*innen aus Bezirksregierungen sollen regulative Logiken rekonstruiert werden, die eben jene schulische Erfahrungen der Sprachminderheiten erzeugen. Ziel ist die Sichtbarmachung institutioneller Widersprüche (Disjunctures) zwischen Alltagserfahrungen und institutioneller Steuerung. Ziel ist die Entwicklung eines institutionelles Mappings, das verdeutlicht, wie subjektive Erfahrungen, schulische Handlungsvollzüge und übergeordnete institutionelle Vorgaben miteinander verknüpft sind. Im Fokus stehen dabei jene textbasierten Ordnungen, die in ihrer Wirkung nicht neutral, sondern selektiv im Hinblick auf Sprachminderheiten wirken. Das Promotionsprojekt versteht sich als Beitrag zur Bildungsforschung, dass nicht nur institutionelle Wirkmechanismen beschreibt, sondern auch Ansatzpunkte für eine kritisch-reflexive und migrationssensiblen Schulentwicklung aufzeigt. Indem es die Perspektiven der Betroffenen ernst nimmt und in Beziehung zu übergeordneten Strukturen der Institution Schule setzt, soll zudem das Handlungswissen von Sprachminderheiten erweitert werden.


Förderung:

Laufzeit:
08/2024 – 01/2029

Bearbeitung:
Maximilian Hesse (Institut für Soziologie, UDE)

Betreuung:
Prof. Dr. Anja Weiß (Institut für Soziologie, UDE)

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